Einheit Freiberg
Mein Leben in der Bergstadt Freiberg
Radrennfahrer bei Einheit Freiberg – Student der Bergakademie – Sänger im Chor der Bergakademie
Die ehemaligen Freiberger Radsportler halten bis heute engen Kontakt. Das Foto entstand anlässlich des 70. Geburtstags von Werner Pagacz. Jürgen Windisch (stehend) überreichte ihm als Geschenk einen symbolischen Rennradlenker. Alle Anwesenden verstanden sofort die Anspielung auf eine Begebenheit, die sich fast fünfzig Jahre zuvor ereignet hatte.
Als junger Radsportler hatte Werner einen Brief an das große Radsportidol Gustav Adolf „Täve“ Schur geschrieben. Darin fragte er, warum im Handel ausschließlich die standardisierten DDR-Lenker erhältlich seien und keine Alternativen angeboten würden. Zu seiner Überraschung erhielt er sogar eine persönliche Antwort von Täve Schur. Sinngemäß schrieb dieser: „Lieber Werner, wo liegt das Problem? Ich bin mit dem DDR-Lenker sogar zweimal Weltmeister geworden.“
Was als harmlose Frage eines jungen Sportlers begann, entwickelte sich jedoch zu einer Angelegenheit, die die zuständigen Funktionäre ernst nahmen. Der Briefwechsel gelangte bis in höhere Ebenen der Sport- und Parteiorganisation. Zahlreiche Trainer, Betreuer und Verantwortliche mussten dazu Stellung nehmen. Das Kuriose daran: Die meisten von ihnen wussten bis dahin überhaupt nichts von Werners Brief.
Heute, viele Jahrzehnte später, erscheint die ganze Geschichte beinahe absurd. Die DDR existiert längst nicht mehr, und aus dem damaligen Politikum ist eine Anekdote geworden, über die wir ehemaligen Radsportler nur noch schmunzeln können. Der symbolische Lenker zum 70. Geburtstag erinnerte auf humorvolle Weise an diese besondere Episode aus unserer gemeinsamen Sportlerzeit.