Dieses Bild erinnert mich an einen ganz besonderen Tag. Das Radrennen „Rund um Riesa“ war stets für Fahrer aus der gesamten DDR offen. Mit 200 bis 300 Rennfahrern gehörte es zu den Veranstaltungen mit den größten Teilnehmerfeldern. Solche Rennen begannen meist hektisch und waren nicht selten von Stürzen geprägt.
Auch ich wurde in einen Massensturz verwickelt und zog mir dabei einen Vorderradschaden zu. Den Defekt konnte ich jedoch selbst beheben. An diesem Tag hatte ich sprichwörtlich „gute Beine“. Es gelang mir, den Anschluss an das Hauptfeld wiederherzustellen und schließlich als einer der Ersten die Ziellinie zu überqueren.
Wie man auf dem Foto gut erkennen kann, ist mein Blick fest auf das Zielbanner über der Fahrbahn gerichtet. In der Sprache der Radfahrer war ich völlig „breit“ und hatte bereits einen typischen Über-Kreuz-Blick – ein Zeichen dafür, dass ich bis an meine körperlichen Grenzen gegangen war.
Mein Trainer bei Aufbau Meißen, Wolfram Ludwig (im oberen Bild der Erste von rechts), musste deshalb ganz genau mitzählen, an welcher Position ich die Ziellinie überquerte. Während die meisten Zuschauer noch das interessantere Geschehen am letzten Berg vor dem Ziel verfolgten, galt seine ganze Aufmerksamkeit meiner Zielankunft.
Für mich ist dieses Foto deshalb weit mehr als eine Momentaufnahme. Es erzählt die Geschichte eines außergewöhnlichen Rennens beim Radklassiker „Rund um Riesa“ im Jahr 1964.